(Politische) Teilhabe und Solidarität mit unseren Mitmenschen außerhalb des Klassenzimmers

Spendenaktion

Junge Menschen erleben sich bei Entscheidungsprozessen oft nicht gut eingebunden. Ein Gefühl, dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird, kann ihnen nicht verübelt werden.

Gleichzeitig erleben wir aber auch, wie eigene Diskriminierungserfahrungen auf andere, oft marginalisierte Gruppen, übertragen werden. Strukturen, die von Macht und manifesten Vorurteilen geprägt sind, werden offenbar leichter verinnerlicht, als sich solidarisch zu zeigen. Das wird nicht auf der Straße gelernt, sondern ebenfalls in der Schule und anderen Institutionen, freilich auch der Familie. Abwertungen sind an der Tagesordnung, werden nicht ge- oder hilflos übersehen.

„Kinder können so grausam sein …“, ein Spruch, den Erwachsene nur zu gern abwinkend verwenden und damit das eigene Scheitern entlarven: Wo, bitteschön, wird das Nachuntentreten wohl gelernt?

Aber auch das wissen wir: es gibt tolle Angebote, die es zu nutzen gilt: Schule ohne Sexismus von Pinkstinks, das Team Tomorrow Stuttgart (Demokratie stärken), das Netzwerk für Demokratie und Courage, das Online-Medienangebot funk oder zahlreiche empowernde Potcasts, …! Es können Workshops gebucht, Materialien bestellt oder Sendungen gestreamt werden.

Im letzten Schuljahr haben sich die Schüler*innen dazu entschieden, über das Jahr gesammelte Spenden persönlich zu übergeben.
Zuvor wurde natürlich diskutiert, wer eigentlich bedürftig sei oder welche Personengruppen nicht bedacht werden sollten.
Starker Tobak! Wie aber Vorurteilen begegnen, wenn sie nicht ausgesprochen werden (dürfen)?
Was die Menschen wohl mit dem Geld anstellen? Kaufen sie sich Alkohol? Nehmen wir Selbstbestimmung ernst, müssen wir auch das aushalten? 

In einer demokratisch durchgeführten Wahl setzte sich der Wunsch durch, obdach- bzw. wohnungslose Menschen zu unterstützen.
An einem heißen Sommertag wurden also fleißig Zettel geschrieben, Wasser gekauft und jeweils ein kleiner Geldbetrag hinzugefügt.
Es zeigte sich, dass unsere Schüler*innen, deren Schulweg zumeist durch die Innenstadt und über den Hauptbahnhof führt, die Menschen, die in ihrer Stadt leben, genau sehen und wahrnehmen. Sie wussten, wo sich bedürftige Menschen aufhalten und wer von ihnen einen besonders hohen Bedarf an Zuwendung zu haben scheint. So schenkten sie nicht nur sich ein Lächeln, sondern auch den Menschen, denen sie, im wahrsten Sinne des Wortes, auf Augenhöhe begegneten: sie knieten sich nieder, suchten das Gespräch, fragten nach Unterstützung und kauften ggf. etwas zu essen.

Und danach stellte sich erneut die Frage:
Wie gut kennen wir eigentlich unsere Schüler*innen … (übrigens zu einer Zeit, in der in Stuttgart nur über die sog. „Krawallnacht“ gesprochen wurde)?

Dieses Schuljahr fiel die Wahl in den Zeitraum der Präsident*innenwahl in den USA und der OB*innen-Wahl in Stuttgart. Auch wir entschieden uns für eine neutrale Wahlbeobachtung und kamen nicht um einen zweiten Wahlgang. Die meisten Stimmen fielen final an „Menschen, die in Not sind“. Im Laufe des Schuljahres werden die Schüler*innen entscheiden, welches Projekt bzw. welche Organisation oder Einzelpersonen sie unterstützen wollen und in welcher Form.

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