„Hört uns zu!“ – Schüler*innen gehen auch in Stuttgart auf die Straße

qfAm Internationalen Frauentag 2018 traten unter dem Motto „From #metoo to #wetoo – let`s start a revolution“ nicht nur Redner*innen zu den Themen sexuelle Vielfalt, sexualisierte Gewalt oder die Situation geflüchteter Frauen auf, sondern auch Jugendliche und junge Erwachsene, die endlich gehört werden wollen.

Die Rede einer jungen Stuttgarterin* richtete sich konkret an Pädagog*innen, zeigte mit ihren Forderungen konstruktiv Möglichkeiten pädagogischer Arbeit, v. a. aber auch gesetztlich verankerte Verantwortlichkeiten auf und war somit Sprachrohr einer breiten Masse, denen nicht „richtig zugehört wird oder ihre Sichtweise (…) einfach übersehen wird. Oft wird geglaubt, uns fehlen die Sprache, das Wissen und der Bezug zur Realität, um auszudrücken was wir sehen (erleben) und was wir wollen.“

Danke für die mutigen und längst überfälligen Worte!

ju

„Ich bin Ju von den Lunas bzw. Queerdenkern. Die Lunas sind eine Gruppe für junge queere Mädchen, die sich donnerstags um 19 Uhr in der Weissenburg treffen. Die Queerdenker sind eine gemischtgeschlechtliche Jugendgruppe mit queeren Inhalten, die sich jeden letzten Sonntag im Monat um 15 Uhr im Jugendhaus Café Ratz versammeln.

Ich bin hier um euch die Situation queerer Jugendlicher aus Stuttgart, ihre Erfahrungen und ihre Wünsche an Stuttgarter Einrichtungen vorzustellen.

Es passiert viel zu selten, dass jungen Menschen richtig zugehört wird oder ihre Sichtweise nicht einfach übersehen wird. Oft wird geglaubt, uns fehlen die Sprache, das Wissen und der Bezug zur Realität, um auszudrücken was wir sehen (erleben) und was wir wollen.

In einer von mir initiierten Umfrage und vielen Gesprächen, die ich ausgewertet und mit eigenen Erfahrungen verglichen habe konnte ich mir ein Bild machen, was junge queere Menschen in Stuttgart aktuell bewegt.

Dabei haben sich schnell zwei große Überthemen herauskristallisiert.
Erstens:
Angebote, die speziell für queere Jugendliche gedacht sind- und die Reichweite, die diese haben.
Und zweitens:
Schulen bzw. andere kulturelle & soziale Einrichtungen, die regelmäßig von Jugendlichen besucht werden- und wie das Thema sexuell-geschlechtliche Vielfalt dort gehandhabt wird bzw. welchen Stellwert es dort hat.

(zu erstens) Innerhalb queerer Einrichtungen in Stuttgart fehlt neben dem bestehenden Angebot noch Repräsentation von z.B. Asexualität und Trans* Identitäten…
Viele junge Menschen haben keine Kenntnis von queeren Angeboten und/oder Einrichtungen. Immer wieder kam der Wunsch nach Workshops auf und lauter und bunter Werbung, vor allem an Schulen, in Jugendhäusern und Vereinen, wo wir dann auch schon beim zweiten Schwerpunkt wären:

Das Land Baden-Württemberg schreibt sich seit einiger Zeit einen integrativen Bildungsplan auf die Fahnen, der auch die sexuell-geschlechtliche Vielfalt berücksichtigen soll. Davon kommt an den Schulen wenig bis gar nichts an. Obwohl junge Generationen- auch durch die Einflüsse und Möglichkeiten des Internets- immer offener mit diesen Themen umgehen, gibt es bedingt durch das soziale Umfeld und eine allgemeine Unsicherheit bzw. Uninformiertheit der Lehrkräfte gleichzeitig ein wachsendes Unverständnis einiger, die das für sie fremd oder gar bedrohlich anmutende Thema schlichtweg überfordert.

Sexuell- geschlechtliche Vielfalt geht alle etwas an, denen etwas an einem freiheitlichen Miteinander liegt. Lehrer und Betreuer von Jugendhäusern oder Vereinen sollten sich mit dem Thema auseinandersetzen, um den Bedürfnissen ALLER Schüler_innen gerecht zu werden und ein solches Miteinander auch zugunsten queerer Jugendlicher zu gewährleisten.

Die Pädagogen müssen diese Verantwortung nicht alleine tragen. Es gibt Bildungsangebote, auch in Stuttgart, derer sie sich bedienen können. Ich selber engagiere mich ehrenamtlich in einem Bildungsangebot, das Schulklassen ermöglicht, queere Inhalte auch von Queers in ihrem Alter vermittelt zu bekommen.

Wie aber kommen die Schulen und die queeren Einrichtungen an einen Tisch? An dieser Stelle ist das Engagement Aller gefragt.

Deshalb möchte ich gerne mit 4 Forderungen schließen.

  • An die Stadt und Ämter: nehmt euch dem Thema an: Seminare für Lehrer, intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema, Unterstützung für Bildungsprojekte. Nicht nur auf dem Papier scheinen, die Worte sollen auch in den Schulen als taten ankommen!
  • An die Schulen, Jugendhäuser, Vereine,… nehmt euch dem Thema an! Informiert euch, zumindest auf einem auseichenden Level, hört den Jugendlichen zu, kommt auf sie zu, zeigt eure Offenheit, stellt eure Position dar, damit sich queere Jugendliche sicher und akzeptiert fühlen können und inspiriert werden, ihre Identität offen und stolz zu leben.
  • An die Anlaufstellen: nervt uns mehr mit Werbung! Ein Bedarf an entsprechenden Angeboten existiert, die Angebote können noch ausgebaut werden, sind aber auch schon in Teilen verfügbar. Wir wünschen uns mehr Präsenz und Informationen!
  • An die Jugendlichen, ob queer oder auch nicht: engagiert euch! Tretet den Lehrern auf die Füße, achtet in eurem Freundeskreis ein wenig auf den Umgang mit dem Thema und holt euch Hilfe!

Ich könnte noch lange, auch über die erwähnten Inhalte hinaus weiter über unsere Gespräche reden, aber ihr wollt wieder Musik.

Falls ihr noch Fragen habt oder mehr Informationen über die Sicht der befragten Jugendlichen wollt- auch zu Themen wie Sicherheit und Repräsentation, (unter anderem dazu, wie sicher oder repräsentiert sich junge Queers in Stuttgart fühlen) kommt doch auf uns zu, wir stehen euch gerne zur Verfügung.“

 

Kontakt: Queerdenker

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