„Herr Bachmann und seine Klasse“

„Bereits in diesen ersten Szenen von Herr Bachmann und seine Klasse schwingt eine Utopie mit. Man bekommt eine Ahnung davon, was Schule auch sein kann. Oder was hinter dem Wort Schulklasse stehen mag: die Idee einer Gemeinschaft. Tagein und tagaus unterrichtet, lebt und streitet Dieter Bachmann mit beharrlicher Empathie für diese Idee.“

Was Schule auch sein kann eine Rezension des Films „Herr Bachmann und seine Klasse“ von Anke Leweke (Zeit online).

„Dieser Film verwandelt einen Klassenraum in eine Weltbühne, macht die Schülerinnen und Schüler zu Stars auch ihres eigenen Lebens. Man fühlt, leidet und lacht. Mit Ferhan, die im Unterricht hinter dem tief in die Stirn gezogenen Kopftuch gerne mal ein Nickerchen einlegt. Mit Tim, der schon errötet, bevor er überhaupt drangenommen wird. Die rothaarige Regina wiederum scheint unentwegt irgendetwas zu kauen, Rabia musste schon häufiger die Schule wechseln. Nun findet ihre Wissbegierde endlich eine Heimat: in der Klasse 6b der Georg-Büchner-Gesamtschule im hessischen Stadtallendorf.
(…)
Der englische Vokabeltest ist schlecht ausgefallen, die Schülerinnen und Schüler mit den besseren Noten sollen den anderen Nachhilfeunterricht geben. Der ohnehin grundgenervte Jamie fühlt sich nicht verantwortlich und hält diesen Vorschlag „auf gut Deutsch für Scheiße“. Lehrer Bachmann insistiert, dass Hasan, Stefi und Mattia erst seit einem Jahr in Stadtallendorf lebten. Es sei schwer für sie, neben Deutsch noch eine weitere Fremdsprache zu lernen. Jamie hebt wieder den Finger, widerspricht noch einmal. Es sind kleine Zeichen einer lebendigen Diskussionskultur, Momente, die zeigen, dass es bei den Schülerinnen und Schüler keine Angst gibt, ihre Meinung zu äußern, auch dafür zu kämpfen.
(…)
Der Film zeigt die Klasse als ein Ensemble im wahrsten Sinne des Wortes. Als vielstimmige, vielschichtige Gruppe. Wenn der Unterricht ins Stocken gerät, wenn die Luft im Klassenzimmer zu dick wird oder auch wenn er selbst gerade keine Lust aufs Lehrersein hat, greift der passionierte Hobbymusiker Bachmann zur Gitarre, schickt einen Schüler ans Schlagzeug, eine Schülerin ans Mikrofon.
Auch jenseits des Musizierens organisiert Bachmann den Unterricht letztlich wie eine Jamsession. Man ist wie live dabei, lässt sich auf die Standpunkte, kleinen Wutausbrüche, auf die Witze, Gereiztheiten, Argumente ein, kann sich nicht auf die Position der Beobachtenden zurückziehen. Und warum sollte man auch?“

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