„Bluttest: Die falsche Frage wird gestellt“

ein Kommentar von Judyka Smykowski / Leidmedien.de

Bildschirmfoto 2019-04-12 um 16.38.02„Sollten Bluttests, die während einer Risiko-Schwangerschaft auf Trisomien hinweisen, von der Krankenkasse bezahlt werden? Darüber debattierte heute der Bundestag. Im Kern geht es aber um viel mehr.
(…)
Einige Erzählungen von den Parlamentarier*innen muteten auch seltsam an. Es wurde von Menschen mit Downsyndrom berichtet, die eine “unbändige Lebensfreude ausstrahlen” und die sagen “Wir wollen leben.” Menschen mit Lernschwierigkeiten wird öfter medial und gesellschaftlich eine besondere ‘Fröhlichkeit’ oder ‘Unbeschwertheit’ attestiert. Auch in dieser Bundestagsdebatte war dies der Fall. Was wäre, wenn sie keine gute Laune hätten? Wenn sie nicht so ‘lebensfroh’ wären, wenn man gar berücksichtigen würde, dass auch behinderte Menschen verschiedene Charaktere haben? Grund für Missmut hätten sie allemal: Berührungsängste in der Gesellschaft, ein Leben in Wohnstätten und Arbeit in Werkstätten. Hätte man es dann leichter, über die Abtreibung zu entscheiden, wenn sie nicht so “lebensfroh” wären? Diese Euphemismen, auch die “Anpreisung” der Kinder mit Behinderung durch ihre Eltern, zeugen von sehr viel Missgunst und Vorurteilen, die Betroffene und ihre Familien erfahren.
(…)
Ansetzen muss man stattdessen an der fehlenden Inklusion in der Gesellschaft: Es sollten Garantien für Eltern behinderter Kinder geben, dass Beratungsangebote und intensive Begleitung stets verfügbar sind und diese sollten ihnen niedrigschwellig zur Verfügung stehen. Es sollte kein finanzieller Nachteil daraus entstehen, dass Eltern ein behindertes Kind haben. Und ein ganz wichtiger Punkt: Das Bild von Ärzt*innen über behinderte Menschen kann die Entscheidung der Eltern massiv beeinflussen und sollte folglich nicht nur von der medizinischen Sicht geprägt sein.
Doch am dringendsten hat unsere Gesellschaft, den Austausch untereinander, ob mit oder ohne Behinderung, nötig. Damit es kein “wir” und “die” mehr gibt. Damit die Vorstellung einer Behinderung weniger eine Schreckens-Diagnose ist, sondern mit einem konkreten Bild von einem Mitmenschen ausgefüllt werden kann und Betroffene sich gleichzeitig einem Netz von Unterstützung sicher sein können.“

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